TV-Übertragungen von Großveranstaltungen
Die in Deutschland teuersten Sportrechte sind die Fußballrechte, also die Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und die Fussball-Bundesliga. Knapp hinter Fußball liegen die Rechte für die Olympischen Sommer- und Winterspiele. Und dann kommen auch schon die Rechte für die Königsklasse des Motorsports, die Formel 1. Fußballweltmeisterschaft: Fußball, dass Kind der Deutschen
In Deutschland übertragen gleich vier Sender die Fußballweltmeisterschaft 2010 aus Südafrika. Neben dem Pay-TV-Sender Sky Deutschland, der alle 64 Spiele der WM zeigt, übertragen die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF 55 Spiele, darunter alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft, die Halbfinalspiele und das Finale. Zum zweiten Mal nach der WM 2006 in Deutschland überträgt der Privatsender RTL auch neun Partien: sechs Vorrundenspiele, zwei Achtelfinals und ein Viertelfinale. Außer während der Halbfinale, dem Spiel um Platz 3 und dem Finale, laufen mindestens zwei Spiele an einem Tag. In der Vorrunde sind es teilweise sogar drei, da die Spiele um 13:30, 16:00 und 20:30 Uhr angepfiffen werden.
Bei einer Weltmeisterschaft sind hohe Quoten garantiert: Beispiel ist das Halbfinale der WM 2006 in Deutschland. Sage und schreibe 29 Millionen Deutsche (nicht die mit gerechnet, die beim Public Viewing zusahen) saßen an dem Abend vor dem Fernseher. Mit 93 % Marktanteil fuhr der übertragende Sender die beste Quote aller Zeiten in Deutschland ein.
TV-Sender, die nicht Fußball zeigen, müssen besonders bei Spielen mit deutscher Beteiligung befürchten, dass kaum einer ihr Programm verfolgt. Deshalb zeigen diese Sender vermehrt Wiederholungen alter Sendungen. In den Jahren, wo die WM- bzw. EM-Turniere stattfinden, sind die Fußballspiele auch mit Abstand die meist gesehenen Sendungen des Jahres.
Es wird spekuliert, dass der Fußball-Weltverband FIFA die Rechte für einen dreistelligen Millionenbeitrag verkauft. Die Sender refinanzieren die Kosten für die Spiele durch Werbung, da die wichtige Kernzielgruppe der 14-49 Jährigen durch die Werbung beeinflusst wird. Da die Öffentlich-Rechtlichen am Wochenende und ab 20 Uhr keine Werbung mehr zeigen dürfen, ist es für sie, im Gegensatz zu Privatsendern, deutlich schwerer die Rechte zurück zu finanzieren. Bei den Öffentlich-rechtlichen Sender werden die Rechte von der GEZ bezahlt.
Bundesliga: Hier schaut man noch auf den Fan
Für die Fußball-Bundesliga gibt es seit Jahren ein eingespieltes Verfahren um die Vergabe der Übertragungsrechte. Dabei werden zum Beispiel verschiedene Rechte fürs Pay- und Free-TV abgegeben. Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die die Rechte vergibt, schaut nicht nur auf das Geld, sondern auch auf die Fans. Dies erfuhr Premiere bei der Rechteausschreibung 2005 schmerzlich. Premiere wollte mehr Geld ausgeben, dafür sollten die Zuschauer im Free-TV die Bilder erst am späten Abend sehen. Doch die DFL vergab die Rechte an einen Konkurrenten. Nach einem Jahr erkaufte sich Premiere die Rechte teuer wieder. Bei der letzten Rechtevergabe 2008 forderte der übertragende Pay-TV Sender Sky (damals noch Premiere) mehr Exklusivität und wollte somit auch mehr Geld für die Rechte ausgeben. Die DFL ging nach der letzten Rechtevergabe "auf Nummer sicher" und vergab die Rechte an Sky. Auch die anderen bewährten Partner, ARD, ZDF und das DSF, bekamen ebenfalls Rechte für die Bundesliga. Aber es gibt einen Konkurrenten für Sky. Denn Liga Total, dass Angebot der Deutschen Telekom bekam die Rechte für das Internetfernsehen (IPTV). Insgesamt nimmt die DFL durch die Rechte ca. 1,6 Milliarden Euro für die vier Jahre ein.
Olympia verschwindet nicht so schnell im Bezahlfernsehen
Wer Bilder von den Olympischen Spiele zeigen will, muss auch tief in die Tasche greifen. Und es gibt hier mehrere Dinge zu beachten, da die Sommer- und Winterspiele nicht getrennt voneinander vermarktet werden. Wer die Sommerspiele um jeden Preis haben will, muss auch für die Winterspiele bezahlen.
Bei Einem kann man sich jedoch sicher sein: Die Olympischen Spiele werden in nächster Zeit nicht im Pay-TV verschwinden, da das Internationale Olympisches Komitee (IOC) vorschreibt, dass mindestens 200 Stunden Olympia im frei empfangbaren TV laufen müssen. Daher müssen sich die Pay-TV-Anbieter genau überlegen, ob sie für die sehr teuren Rechte bieten wollen - schließlich müssen sie dann auch einen Free-TV-Sender finden, der auch die Spiele zeigen will.
Die Königsklasse des Motorsports: Sie ist uns lieb und TEUER
Mittlerweile seit über 18 Jahren zeigt der Privatsender RTL schon die Rennen der Formel 1. Mit den Erfolgen der Deutschen, insbesondere denen von Michael Schuhmacher, stiegen die Kosten für die Rechte der Königsklasse kontinuierlich an. RTL zahlt vermutlich pro Saison 80 Millionen Euro an Bernie Ecclestone, der die Rechte vermarktet. Dafür sieht der Zuschauer dann die Qualifikation und die Rennen. Leider muss RTL, um die Rechte zu refinanzieren während des Rennen immer wieder Werbung schalten. Die freien Trainingsläufe am Freitag verkauft RTL regelmäßig an das DSF. Wer die Rennen ohne Werbung sehen will, muss sich Sky Deutschland anschaffen.
Und wie siehts im Ausland aus?! Beispiel: USA
Schauen wir einmal ins Ausland: Was kosten dort die Übertragungsrechte? In den USA sind die teuersten Rechte ganz klar die Rechte an der NFL und dem dazugehörigen Super Bowl. Um Spiele aus der NFL zeigen zu dürfen, zahlen die US-Sender insgesamt die enorme Summe von 3,7 Milliarden US-Dollar. Wohlgemerkt für nur eine Saison! Das Finale des Super Bowls ist das größte Sportevent, dass an einem einzelnen Tag stattfindet. Allein in den USA schauen über 100 Millionen Menschen das Spiel. Der Sender, der das Finale überträgt, verlangt bis zu 2 Millionen US-Doller für einen 30-sekündigen Werbespot. Nur als Beispiel: Für einen Werbespot rund um ein Spiel der Fußballweltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung verlangt die ARD "gerade" einmal 258.000 Euro.
Auch die Rechte für die Olympischen Spiele sind so teuer, dass der übertragende Sender NBC bei den letzten Olympischen Winterspielen trotz sehr guter Zuschauerzahlen massive Verluste einfuhr.
Bild: Wikipedia Commons
Bundesliga Rechtvergabe 2005
Bundesliga Rechtevergabe 2008
TV-Rechte, Fussball, Formel 1, Olympia
07.03.2010 -
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