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Andere Länder, andere Sitten, andere Sportarten: England

In der dritten Folge der Serie "Andere Länder, andere Sitten, andere Sportarten" machen  wir heute halt im Mutterland des Fußballs, England. Dabei schauen wir auf die Vergangenheit, die bekanntesten Vereine und Spieler, auf die Nationalmannschaft und warum England auf Dauer keine Chance im europäischen Fußball hat. Dazu stellen wir die bekanntesten Stadien Englands vor.
Die Anfänge im Mutterland des Fußballs

England gilt als Mutterland des Fußballs. Mit dem FC Sheffield wurde im Jahre 1857 der allererste Fußballverein der Welt gegründet. Im Jahre 1863 gründete sich der erste Fußballverband, die Football Association (FA). Mit der FA kamen die teilweise heute noch existierenden einheitlichen Regeln. England ist auch Vorreiter in Sachen Pokalspiele, Profiligen und Länderspiele. Der FA Cup zum Beispiel blickt auf eine über 130 jährige Geschichte zurück. Die erste professionelle Liga entstand bereits  1888,  das erste offizielle Länderspiel fand im Jahr 1872 statt. Auch viele der heute noch existierenden Vereine wurden um 1880-1890 gegründet und blicken somit auf eine sehr lange Tradition.

Die Nationalmannschaft

Die englische Nationalmannschaft gilt als eine der besten Nationalmannschaften der Welt. Bisher wurde England jedoch nur einmal Weltmeister. Diesen Weltmeisterschaftstitel  errang das Mutterland des Fußballs  1966 sogar im eigenen Land. Vor allen in den letzten beiden Jahrzehnten ging die Mannschaft regelmäßig  als Mitfavorit in ein Turnier, konnte dieser Anforderung jedoch selten bis gar nicht gerecht werden. Das Jahr 2007 geht als eines der schwärzesten Jahre in Englands Fußballgeschichte ein. Das Land scheiterte in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. In Folge dessen wurde der Trainer Steve McClaren entlassen und zum ersten Mal in der Geschichte wurde mit Fabio Capello ein Nichtengländer Trainer der „Three Lions“. Dieser schaffte mit der Mannschaft die direkte Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010  in Südafrika. Dort geht England wie eigentlich fast immer als Mitfavorit ins Turnier.
Die Bilanz der Duelle gegen die deutsche Nationalmannschaft ist positiv, bisher trafen beide Nationen 27-mal aufeinander, von denen England zwölfmal gewann zwölfmal und  zehn Niederlagen einstecken musste. Der wichtigste Sieg der „Three Lions“ war im WM-Finale 1966 im eigenen Land. Die beiden bittersten Niederlagen hingegen waren im WM-Halbfinale 1990 (nach Elfmeterschießen) und bei der Heim-Europameisterschaft 1996 ebenfalls nach Elfmeterschießen.

Die bekanntesten Vereine Englands und deren internationalen Erfolge

Die englischen Vereine zählen mit zu den besten der Welt. Die bekanntesten Vereine sind unter anderem der FC Arsenal London, Manchester United und der FC Liverpool. Die Fußballhochburg in England ist London. Aktuell spielen sechs Londoner Vereine in der höchsten Englischen Liga, der Premier League. In Hochzeiten befanden sich sogar zehn Vereine aus Englands Hauptstadt in der Premier League. Weitere Hochburgen des englischen Fußballs sind in Manchester und Liverpool. Zurzeit dominieren die sogenannten "Big Three" die Meisterschaft in England. Denn mit Ausnahme von den Blackburn Rovers (94/95) und Leeds United (91/92) wurden in den vergangen 20 Jahren nur Manchester United, der FC Arsenal London und der FC Chelsea London englischer Meister. Dennoch ist der FC Liverpool gemeinsam mit "ManU" Englischer Rekordmeister. Beide Vereine wurden in ihrer Geschichte bereits 18-mal Meister. Die englischen Vereine sind in den Europapokals sehr erfolgreich. Der FC Liverpool ist mit deutlichem Abstand die erfolgreichste englische Mannschaft im Europapokal. Insgesamt gewann dieser bisher fünfmal (1977, 1978, 1981, 1984 und 2005) die Champions League bzw. den Europapokal der Landesmeister und dreimal (1973, 1976 und 2001) den Uefa-Pokal. In den letzten 3-4 Jahren waren die Red Devils von Manchester United das erfolgreichste englische Team. Nach 1968 und dem Legendären Sieg 1999 gegen Bayern München gewannen diese 2008 wieder die Champions League und standen 2009 im Finale, welches sie jedoch verloren. Auch die beiden anderen der "Big Three", Arsenal London und Chelsea London standen in den vergangenen Jahren im Champions League Finale, verloren aber jeweils. Doch in diesem Jahr schaffte es kein englischer Verein bis ins Halbfinale der Champions League. Stattdessen gewann na zu sensationell der Londoner Klub FC Fulham die Europa League.

Die bekanntesten Spieler

Die bekanntesten Spieler kommen vor allem aus den 50er und 60er Jahren. Sir Stanley Matthews wurde 1951 zu einer der größten Legenden Englands, als er mit seinem Verein FC Blackpool nahezu im Alleingang ein 1:3 im Finale aufholte und den Cup holte. Die meisten bekannten Spieler stammen aus der Weltmeisterschaftsmannschaft von 1966, wo England im eigenen Land Weltmeister wurde. Vor allem Sir Bobby Charlton, Gordon Banks und Geoff Hurst (der gegen Deutschland das legendäre Wembley-Tor erzielte) besitzen in England Heldenstatus. In den 80er Jahren war Kevin Keegan nicht nur in England bekannt, sondern er war der erste ausländische Superstar  in der deutschen Bundesliga. Seit Mitte der 90er ist David Beckham der Superstar des englischen Fußballs. Weitere zurzeit bekannte Spieler sind Michael Owen, Wayne Rooney und Steven Gerrard.

Die Stadien und die Fan-Kultur

Die Stadien in England sind die vielleicht stimmungsvollsten der ganzen Welt. Nirgends anders sind die Fans so nah am Geschehen wie in England. Das am besten besuchte Stadion ist das Old Trafford in Manchester. In Fankreisen nennt man es auch "Theatre of Dreams" (Theater der Träume). Das Publikum ist aber auch gefürchtet. Spielt die eigene Mannschaft nicht gut, gibt es schnell Pfiffe. Das Stadion, indem nach Meinung vieler (und auch meiner Meinung, da ich schon mal dort war) die beste Stimmung herrscht, ist das Anfield Stadion in Liverpool. Die "The Kop" Tribüne ist wohl eine, wenn nicht sogar die stimmungsvollste Tribüne, der Welt. Vor jedem Spiel singen die Fans den Beatles-Song You'll Never Walk Alone. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass wenn über 41.000 Menschen diesen Song singen, dass man DIE Gänsehaut seines Lebens bekommt. Besonders die Spiele innerhalb Londons und der Arbeiterstädte Liverpool und Manchester sind spannungsgeladen.
Traditionell sind auch viele englische Fans bei Auswärtsspielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften dabei. Leider hat die englische Fanszene in den letzten Jahren auch für negative Schlagzeilen gesorgt. Der Höhepunkt ereignete sich 1998 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich, als sich englische und deutsche Hooligans schwere Krawalle lieferten.


Tragödien und Katastrophen im Englischen Fußball

Das Jahr 1958 gilt für Manchester United als Stunde Null. In diesem Jahr starb bei einem Flugzeugabsturz in München die halbe Mannschaft. Man musste das Team daraufhin völlig neu aufbauen. Die vielleicht größte Fußball Katastrophe aller Zeiten ereignete sich 1989 bei einem FA-Cup Spiel des FC Liverpool gegen Nottingham Forest. Bei diesem Spiel, bei dem viel zu viele Tickets verkauft wurden, starben 96 Menschen und hunderte wurden verletzt. Diese Katastrophe brachte eine wichtige Entscheidung: Das Verbot von Stehplätzen. Doch der FC Liverpool war trauriger weiße 1985 schon einmal im Mittelpunkt einer Katastrophe. Nachdem Liverpooler Fans beim Finale des Landesmeister-Pokals den Block der Juventus Turin Fans stürmten, verloren bei einer Massenpanik 39 Menschen ihr Leben. Nach diesem Vorfall wurde Liverpool sieben Jahre vom Europapokal ausgeschlossen, englische Vereine für fünf Jahre.

Die Zukunft des Englischen Fußball

In der englischen Liga regieren die Milliardäre. Fast jeder Klub hat seinen eigenen Eigentümer. So ist zum Beispiel der Öl-Milliardär Roman Abramowitsch Eigentümer des FC Chelsea. Diese Milliardäre haben dazu beigetragen, dass die Englische Liga heute so hohe Schuldenlasten mit sich trägt. In England kann jeder liquide Mensch einen Klub übernehmen. Dies ist in Deutschland aufgrund der 50+1 Regel zum Beispiel nicht erlaubt. Es wird vermutet, dass die englischen Klubs zusammen über Vier (!!) Milliarden Dollar Schulden haben sollen. Als Gegenbeispiel: In Deutschland sind ca. 580 Millionen Euro. Die Tradition der Vereine wird für gute Spieler und den Erfolg verkauft. Die meisten Fans können die Eigentümer nicht leiden und starten aufrufe, ihren Klub zurück zukaufen. Nachdem England in den vergangen Jahren das non plus ultra in Europa war, ist es abzusehen, dass England den Ruf als beste Liga der Welt bald nicht mehr gerecht wird. Die meisten Stadien sind wegen der teuren Ticketpreise halb leer, der Erfolg im Europapokal geht zurück (dieses Jahr war zum ersten Mal seit sieben Jahren kein englischer Verein im Champions League Halbfinale) und die besten Spieler wechseln in den Süden Europas. Die Zukunft des englischen Fußballs ist nicht schwarz, aber auch nicht so hell wie vor ein paar Jahren noch.



Quelle 1 | Quelle 2 | Eigenes Wissen
Wikipedia Commons/Carlos yo


2.60 mit 5 Stimmen *****

England, Serie, Tradition 16.05.2010 - 0 Abonnenten - 138 mal gelesen

Kommentare:

Mav schrieb:

27.05.2010

Guter Artikel =). Aber da verwirrt mich schon was:

Du redest immer von den Big Three, benennst aber zuerst ManU, Arsenal, Liverpool, dann anstatt Liverpool Chelsea, am Ende zählst du zu den Big Three sogar alle 4 Mannschaften ...

Zum letzten Teil stimm ich nicht so ganz zu ... weil immerhin ist England noch auf Platz 1 der 5-Jahres-Wertung und holt auch jedes Jahr mit die meisten Punkte ...

 "Die meisten Fans können die Eigentümer nicht leiden und starten aufrufe, ihren Klub zurück zukaufen."
Da kann man vllt. noch das Beispiel ManU nehmen, wo die Fans sogar ihren eigenen Verein gegründet haben, weil ManU sich so von den Fans entfremdet hat seitdem Glazer den LAden gekauft hat ;)


Ansonsten guter Artikel :)
Kaaev schrieb:

16.06.2010

Guter Artikel.

Aber Athletico Madrid hat Europa League gewonnen und nicht Fulham.
Und das schon angesprochene Problem mit den "Big Three".
Am Besten einfach alle 4 nennen und ein Big Four draus machen (: